documenta 14

Veranstaltungsorte Athen und Kassel – was kann man von Athen lernen?

Die documenta 14 wich vom Konzept der ersten 13 Veranstaltungen ab. Erstmals wurden 2 Städte – Athen und Kassel – miteinander in Beziehung gesetzt. Symbolisch dafür stand das Parthenon of Books, eine maßstabsgetreue Inszenierung des Jungfrauenhauses auf der Akropolis. Nur die Säulen des Tempels tapezierte Marta Minujín  mit irgendwann verbotenen Büchern. Ein Statement für Meinungsfreiheit, denn auch Goethes Werther war oder Harry Potter ist irgendwo verboten.

Die Eigenbeschreibung im map booklet, dem Wegweiser zu den zig Ausstellungsorten,  verweist ausdrücklich darauf, dass die documenta 14 auf eine Öffentlichkeit zielt, „die niemanden ausschließt und von persönlichen und gemeinschaftlichen Begegnungen und Möglichkeiten geprägt ist. Diese ist „eine in Raum und Zeit klar umrissene Öffentlichkeit“, an die sich die „künstlerischen und anderen Arbeiten richten“. Es waren dann auch die „anderen Arbeiten“ die aus der Pragmatik der seit der Steinzeit tradierten „Farbe-auf-Fläche-Kunst“ hinausführten:  der Raum, von Nato-Stacheldraht umhüllt, der die Frage, ob es drinnen sicher ist oder die draußen vor denen drinnen sicher sind, stellt, der Schaumgummi Leopard III (der in Kassel erzeugt wird), mit dessen Einzelteilen auch bequeme Sitzreihen gemacht werden konnten, oder der „Turnsaal“ in dem Zwang und Widerstand performt wurde.

Und selbst die Farbe-auf Fläche- Kunst konnte erregend sein, wie das Riesenbild von Lorenza Boettner, mit dem Mund gemalt, oder Ludwig Egon Grimms Zeichnung von 1853 (!)  „eine junge Dame in Balltoilette wird in einem Käfig vor einer Gruppe Eingeborener zur Schau gestellt“.

In der Massenproduktion ist auch die Video-Kunst angekommen, die, weil nahezu überall präsent, kaum mehr konsumierbar war. Dies ist auch das Dilemma der documenta 14 – hypertroph in allen Belangen: der Zahl der Orte, der Exponate, der zeitlichen Breite von der Antike bis in die Gegenwart, der Herkunft der KünstlerInnen, der Events, der Inszenierungen. der gefälligen Kunstwerke und der erschreckenden, der staunen lassenden Exponate und der unappetitlichen. Dennoch, der Weg ist klar gewiesen worden: Bildende und darstellende und angewandte Kunst sind eins und KünstlerInnen müssen Verbote übertreten dürfen –  aber Meinung dazu darf sich jede/r selbst bilden dürfen.